Sehenswertes
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Das Schloss von Pézènes (9.– 11. Jahrhundert)

Auszug aus einer Darstellung aus dem Jahr 1759:
«Es gibt in Pézènes ein sehr altes Schloss ( 9. – 12. Jrh.) dessen Wallmauern größtenteils 9 Fuß stark sind und sich in sehr gutem Zustand befinden. Im Schloss befindet sich ein Arsenal, in dem sehr alte und einzigartige Waffen aufbewahrt werden.

Man findet dort allerlei Kriegsgerät wie Pfeile, Helme, Kürasse und anderes. Das Schloss, obgleich äußerst wehrhaft, muss früher noch viel trutziger gewesen sein,  da es mehrere kleine Forts umgaben, die heute geschleift sind; außerdem ist es an jedem Eingangstore durch einen Doppelwall geschützt, den man nur mittels einer Zugbrücke überwinden kann. 
Es findet sich noch ein beachtlicher Brotbackofen, eine tiefe Zisterne und eine große Handmühle zum Mahlen des Getreides, welche in dem fünfschiffigen Gewölbe eines der Türme steht.  Drei Türme sind es insgesamt, von denen einer eine Mansarde von gewaltigen Ausmaßen hat; das Gebälk ist unverbunden und der Turm mit Schießscharten versehen; die beiden anderen sind rund. Ein jeder der Türme hat Verteidigungsanlagen für den Falle eines Angriffs.

.mittelalterliches Schloß von Pézènes

Vom Schloss hinweg führen zwei Terrassen von großer Schönheit; eine hinter der anderen, am Ende einer jeden ist ein zierlicher Pavillon errichtet. Beide Terrassen sind an die hundert Klafter lang und deren drei breit. Erstere, die ganz bewachsen ist mit Orangenbäumen, hat an der Seite, auf einem Bankett ein schönes Spalier von Obstbäumen der besten Sorten und letztere ist umgeben von einer beschnittenen Lorbeerpalisade; nicht zu verschweigen seinen verschiedene Promenadenwege nebst einem Kaninchengehege und einem Hochwald.» e
Das Schloss befindet sich in Privatbesitz und kann leider nicht besichtigt werden

Notre-Dame d'Ourgas in Les Montades (9. – 12. Jrh.)

Notre-Dame d'Ourgas (Les Montades) Diese Kirche ist eine von 86 «mit quadratischem Kopfende» im Hérault. Das Gebäude aus hammerbehauenen Bruchsteinen vulkanischer Herkunft könnte karolingisch sein.  Es hat möglicherweise ein abgegangenes Gebäude wesentlich älteren Baudatums ersetzt, das möglicherweise zu den Ursprüngen des Christentums zurückreicht. Seit den Anfängen hat die Kirche ihr Privileg als Pfarrkirche mit Friedhof bewahrt. Im 12. Jrh. wurden Entlastungsgewölbebögen errichtet und eine Tür im Süden geöffnet.

Heute kümmert sich die Vereinigung der Freunde von Ourgas «l'Association des Amis d'Ourgas» um die Renovierung und den Unterhalt der Stätte.

Falls Sie die Kirche besichtigen wollen, so zögern Sie nicht, im Dorf nach dem Schlüssel zu fragen.

Jungfrau mit Kind  (XII Jrh) Beachten Sie an der westlichen Außenmauer die Beschläge einer früheren Tür, überall die engen Fenster mit eingebuchteten Stürzen. Im Schiff gab es früher möglicherweise einen Brunnen, den man versuchsweise freigelegt hat, der jedoch wieder zugeschüttet wurde und der möglicherweise auf die Ursprünge des christlichen Kults an dieser Stätte zu datieren ist. Bemerkenswert ist auch, dass der Kirchenboden 70 cm unter der Erdoberfläche liegt. 

In einer Nische befindet sich eine beachtenswerte Steinstatue «Jungfrau mit dem Kind» aus dem 12. Jrh.; die Ecken des Sockels sind als Hundeköpfe gestaltet (Unsere liebe Frau, Beschützerin vor der Tollwut). 

Der Chor ist leicht außerhalb der Achse gedreht. Das Fenster hat offenbar eine einfache ausgeschrägte Öffnung ersetzt. Der Triumphbogen liegt auf Pfeilern mit Oberlicht-Bordüren (Barbarenstil?)

Zisternen

Dorfbrunnen Bis in die 50-er Jahre des letzten Jahrhundert mussten viele Dörfer warten, bis sie fließendes Wasser erhielten. Davor holten die Menschen ihre täglichen Wasservorräte an natürlichen Quellen oder an  Brunnen. Dörfer, die weder über erreichbares Grundwasser, Quellen noch über Brunnen verfügten, mussten sich etwas anderes einfallen lassen, um an Wasser zu kommen: Regenwasser zu sammeln war die einzige Möglichkeit, seinen Durst zu löschen. Jedes Wohn- oder Wirtschaftsgebäude war daher mit einer Zisterne ausgestattet, um damit das vom Dach fließende Regenwasser  zu sammeln. Der Wasservorrat wurde dann mit Holzkohle gefiltert bevor er verwendet wurde. In Pézènes und seinen Weilern sieht man noch manche Zisterne.

Backhäuser

Das Brot ist seit jeher ein Symbol des Teilens, so hat auch jedes Dorf sein Gemeinschaftsbackhaus, oft in kommunaler Hand und immer als "four banal" (=Ofen für den täglichen Gebrauch) bezeichnet. Es ermöglichte den Einwohnern, gemeinsam das wichtigste Grundnahrungsmittel herzustellen. Die Rollenverteilung war klar geregelt: die Frauen kneteten den Teig und die Männer buken das Brot, das jenen herrlichen Duft verbreitete wie wir ihn noch gelegentlich in einigen handwerklich arbeitenden Bäckereien in Frankreich erleben können. Das Gemeindebackhaus von Les Montades ist erst kürzlich wieder hergerichtet worden. Gemeindebackhaus in Les Montades

Dorfhäuser

Die Art zu bauen zeugt vom Alltagsleben auf dem Land. Die piemontesischen Häuser des Hoch-Languedoc ducken sich aneinander, ihre massige und rechteckige Form reicht meist über drei Stockwerke, die jeweils eine ganz bestimmte Funktion haben. Das Erdgeschoss diente, je nach Beruf des Besitzers, als Laden, als Vorratsraum für verderbliche Lebensmittel oder bei den Bauern als Vieh- oder Schafstall. Die Bewohner lebten im ersten Stock während der dritte Stock als Lagerstätte für Getreide, Kastanien und andere getrocknete Lebensmittel oder auch zur Aufbewahrung von Heu und Stroh diente.  Dorfhäuser in Pézènes

Windmühle in Faugères

Mühlen

Die Wassermühle finden wir im Mittelmeerraum erstmals im 1. Jrh. vor Chr. Aber die Windmühle ist weitaus häufiger. Zunächst komplett drehbar, je nach Windrichtung, sind später nur noch Mühlenoberteil und Windmühlenflügel drehbar. Der kleinste Wasserlauf speiste eine Mühle in einer Gegend, in der das Wasser genauso unregelmäßig zur Verfügung steht wie der Wind. Ob Wasser- oder Windmühle, auch wenn sie heute stillstehen, so hätten sie doch sicherlich viel zu erzählen vom Leben früher an den Bächen oder auf den Hügeln

Kohlenmeiler

Meiler in Fos

Die Bewohner des Languedoc machten Feuer mit Holz jeglicher Art, und dieses stand in den Wäldern reichlich zur Verfügung. Dort wurden an bestimmten Stellen auch Meiler zur Gewinnung von Holzkohle angelegt. Die ersten Kohlenmeilern dürften schon in der Vorgeschichte geraucht haben und über die Jahrhunderte hin zur Entwaldung beigetragen haben. Die abgeholzten Flächen verwandelten sich in Heidelandschaft (garrigue). Im großen Stil wurde die Köhlerei seit den 17./18. Jrh. betrieben, um im 19, Jrh. zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region zu werden. Am Dorfeingang von Fos kann man die Rekonstruktion eines Kohlenmeilers besichtigen.

Trockensteinbauten

Im Laufe des 18. und 19. Jrh. haben die Bauern Flächen erschlossen, die von ihren Vorfahren noch nicht landwirtschaftlich genutzt wurden. Diese letzten nutzbaren Flächen forderten vom Menschen beachtliche Anstrengungen, um eine dünne Schicht fruchtbarer Erde an den oft steilen Abhängen der Berge zu (er)halten. Tausende Kilometer Mauern wurden aufgeschichtet und Terrassen errichtet. Das Material stammte vom Steinelesen auf den neuen Ackerflächen. Die Landschaft hat sich in der damaligen Zeit radikal verändert.

Trockensteinmauern

Trockensteinmauer
Jene Steinhügel, die unermüdlich aufgehäuft wurden zeugen von der unermüdlichen Arbeit des Menschen mit dem Mineral. Ob am Rande der Hochflächen, zum Zwecke der Landgewinnung durch Anhäufung von großen künstlichen Steinhaufen an den Abhängen oder in Form von kleinen Steinmauer, welche die einzelnen Parzellen abgrenzen. Man findet Trockensteinhalden und -mauern in großer Zahl in diesem Land, und sie formen die typische mediterrane Landschaft.

«Capitelles»

Capitelle in Faugères

Capitelle: Innenraum

Inmitten dieser Landschaften, wo die Hecken vor allem die sonnenhungrigen Eidechsen anziehen, erheben trocken aufgeschichtete Unterschlüpfe ihren rundem Buckel - einzeln oder in Gruppen säumen sie seit alters her die landwirtschaftliche Nutzflächen, die heute jedoch meist brach liegen. Das Material für diese Unterschlüpfe ist ausreichend vorhanden: Schieferplatten unterschiedlicher Stärke, je nachdem, ob sie für die Rundmauern Verwendung finden oder zum Decken des Daches. Nach altüberlieferten Techniken werden die Gewölbe ohne Dachgebälk aufgeschichtet und verzahnt: die Ursprünge gehen auf vorgeschichtliches mediterranes  Wissen zurück. Die Türen überschreiten nie menschliches Maß. Neben ihrer Funktion als Schutz für Mensch und Werkzeug wurden sie in Pestzeiten auch als Quarantäneorte genutzt. Funde von Werkzeugen aus Feuerstein sprechen für die Annahme, dass diese Konstruktionen bis in die Neusteinzeit zurückreichen. Bauweise und Ausgewogenheit der Konstruktion machen diese Schutzhütten zu echten Denkmälern des Brauchtums in der Region, insbesonders in Villespassans, in Saint-Chinian und in Faugeres wo man von "carabelles" spricht.

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